Globalisierung und das Danach


 
Kontakt: Email Thomas Dürmeier
Last update: 23. August 2004

Re-organisation des sich entbettenden, globalen Kapitalismus

Einleitung
Seit den 70er Jahren verschenkt die Politik immer mehr und mehr Einflussmöglichkeiten auf die Wirtschaft. Deregulierung, Flexibilisierung, Liberalisierung, Privatisierung und Freihandel sind das neue Credo auf fast alle gesellschaftlichen Probleme. Mehr Wettbewerb und weniger staatliche Umverteilung, damit alle mehr haben? 
Was ist Globalisierung? „In Anknüpfung an Polanyi (1978[The Great Transformation; Anm. d. Autors]) verstehen Altvater & Mahnkopf darunter einen mehrstufigen historischen Prozeß der Herausbildung und Entwicklung zur kapitalistischen oder totalen Marktwirtschaft, der ‘Geld, Natur und Arbeitskraft in Waren verwandelt und unter das Regime der Kapitalakkumulation zwingt’(Altvater & Mahnkopf, 1997 [1996]: Grenzen der Globalisierung, S. 113).“

Warum 
passiert es?

Ursachen:
Akteuere:
  • Gewerkschaften
Sie vertreten nicht die Arbeitslosen und nur selten Interessen von Entwicklungsländern. = kleine Mitschuld
  • NGOs
Kämpfen manchmal gegeneinander, sind mit kleinen Siegen zufrieden und sind oft auch nicht demokratisch (z.B. Greenpeace) = kleine Mitschuld
  • PolitikerInnen, Parteien
unterzeichnen internationale Verträge und lenken ständig von ihren Handlungsmöglichkeiten ab, oft zu pragmatisch (z.B. Schröder), große Korruptionsgefahr (z.B. Kohl) = mittlere-große Schuld
  • Nationalstaaten
oft nur auf egoistisches Eigeninteresse orientiert (z.B. USA) = große Schuld
  • Internationale Organisationen
setzen die neoliberale Politik um (IWF, Weltbank, WTO, EU) und sind im allgemeinen undemokratisch 
= große Mitschuld
  • Transnationale Konzerne
mißbrauchen ihre wirtschaftliche Macht um die Politik zu manipulieren (z.B. ERT, Trilateral Commission)
= sehr großes Schuld (vgl. Konzern Europa, die unkontrollierte Macht der Unternehmen)
  • Niemand/jeder vs. der Kapitalismus
wir alle tuen täglich Dinge, die Ungerechtigkeit und Umweltzerstörung verursachen (z.B. nicht im Bioladen einkaufen und nicht-transfair Schoko essen), weil uns gesellschaftliche Strukturen Grenzen setzen, die uns alternaves Handeln zu teuer machen oder die Macht zu Veränderugen und die Verantwortung an andere übergeben haben (Regierungen, EU, Transnationale Konzerne). Jeder einzelne und das immer kapitalistischere System tragen die Schuld, aber die Macht jedes einzelnen bestimmt dessen Anteil daran.

Wie kann mensch es erklären? „Solange das Gefangenendilemma in Kraft bleibt, können freilich die Staaten im System-wettbewerb nur temporäre Vorteile gewinnen, die alsbald wieder wegkonkurriert werden.“ (Scharpf, Fritz W. (1997): MPI-discussion paper 97/1, S. 12)

weitere mögliche Erklärungsansätze:
Globales Marktversagen durch externe Effekte, Marktmacht oder Oligopole
Politische Ökonomie oder Neue Wirtschaftssoziologie: Markt zerstört Sozialstrukturen (vgl. Entfremdung, Kommodifizieurng), nur Demokratie kann gesellschaftliche Solidarität erzeugen
 


Welche Folgen ergeben sich? Eine der grössten Schwächen des globalen Wettbewerbs „ist die offensichtliche Unfähigkeit, soziale Gerechtigkeit, wirtschaftliche Effizienz, nachhaltige Entwicklung, politische Demokratie und kulturelle Vielfalt in der heutigen Welt miteinander in Einklang zu bringen“ 
(Die Gruppe von Lissabon (1997), S. 148)
Positiv Negativ
Kultur  Menschenrechte  Vermischung, Kolonialisierung der Lebenswelt
Soziales und Arbeit Abwärtsspirale
Politik Weltöffentlichkeit Wettbewerbsstaat, Demokratiedilemma
Wirtschaft ‘Wohlfahrtsgewinne’ Oligopolisierung, globale Finanzmärkte
Ökologie  Grenzen überschritten

FAZIT: nationale Politik < globale Wirtschaft


Sind diese 
Folgen negativ?
Menschenrechte, Gerechtigkeitsmodelle (vgl. z. B. Rawls, John: Eine Theorie der Gerechtigkeit), ILO-Standards, Grundgesetz Art. 20 Sozialstaatsprinzip

Globalisierung steht gegen eine gerechtere und naturerhaltende Weltgesellschaft.


Was wäre die Antwort auf die globalen Herausforderung? Ausweg: Kooperatives Verhalten; Messner: „Globale Öffentliche Güter“
Konfliktpotential: Standardisierung < Planung < reziprokes Gestalten

I. Standardisierung
1. Kapitalverkehrskontrollen (Tobinsteuer, Investitionsauflagen)
2. Ökologische und Sozialbilanzen (Bsp: Europäische Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung)
3. Haftungsverpflichtung für transnationale Unternehmungen
4. Globale Mindeststandards (ILO-Standards, Code of Conduct (OECD))

II. Planung
1. Ökologische Steuerreform (Umweltzertifikate; Pogge: Globale Rohstoffdividende)
2. Nachhaltige Entwicklung (sustainable development)

III. Reziproke Gestaltung
1. Industrie- und Stragetische Handelspolitik (Bsp: Japan - Automobile, Elektronik)
2. Globale Kartellkontrolle (Wettbewerbskommissar EU)
3. Demokratische Kontrolle von globalen Grosskonzernen (Bsp: Montanmitbestimmung)
4. Entwicklungszusammenarbeit und Umverteilung (UN-Beschluss: 0,7% BIP)
5. Globale Politik als global goverance oder globales Regime?

Woher soll das Geld kommen? 
0,8 % des Weltsozialproduktes oder 1/3 der globalen Rüstungsausgaben würden ausreichen, um die größten Menschheitsprobleme zu lösen.
vgl. Handout "Globale Gerechtigkeit"


Was sollst Du 
jetzt tun?
1. Informieren
2. Eigene Meinung bilden
3. Falls Globalisierung für die Natur und zahllose Menschen vernichtende Folgen hat, sollte ich mich zum Handeln entscheiden und das eine Richtige tun

=> 4. Handeln
4.1 Eigenes Handeln
Informieren (vgl. Bücherliste)
andere Informieren und über Globalisierung diskutieren
nachhaltige Konsummuster
4.2 Solidarisches und kollektives Handeln
Zusammenschließen
lokale Aktionsgruppe
nach Demos teilnehmen
politischen Druck organisieren


Meine weitere Arbeit zu diesem Thema

Aktionsgruppe Globale Gerechtigkeit Regensburg

Werkraum Politische Ökonomie

VWL-Wochenendseminare
und andere Materialien

my book project "Globalization and beyond"

my presentation on "Globalisierung und das Danach"
 
 

Antworten auf Globalisierung

International Forum on Globalizaiton
Vorschlag Feb 2002

Global Public Goods

Proteste
 

Kongresse

Rio+10 Johannesburg

Weltsozialforum
Porto Allegre

BUKO25
11. bis 13. Mai 2001

Literaturliste

Sources:
Handout "Globalization and Beyond" (March 2001, Boulder)

Links:
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Corporate Europe Observatory Links
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Organization List
Sierre Student Coalition
turnpoint.org
CEO

Biography
Bibliography

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World Development Report
RobinsonRojasResources (great overview)

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People Centered Development Forum
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Overview on Alternatives
Alternative Wirtschaft (Norbert)
 

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Multinational Monitor
The Corporate Library

Wissenschaft
Wissenschaft und Politik Linksseite Rilling
Giddens Runaway World Debate (not progressive)

Diverses
 
 
 

 

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Bücherliste

**** Boxberger, Gerald, and Harald Klimenta. 1998. Die 10 Globalisierungslügen: Alternativen zur Allmacht des Marktes. München: dtv.
beste Einführung ins Thema

*Danaher, Kevin (Ed.). 2001. Democratizing the global economy: The battle against the world bank and the imf. Monree, ME/ Philadelphia, PA: Common Courage Press.

*Deutschland, Kirchenamt der Evangelischen Kirche in, and Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz. 1997. Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit: Wort des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in Deutschland. Bonn.

***Kaul, Inge/ Grunberg, Isabelle/ Stern, Marc A. (ed.). 1999. Global public goods, international cooperation in the 21st century. New York: Oxford University Press.
sehr gute Antwort auf Globalisierung

*Kessler, Wolfgang. 1993. Die wirtschaftlichen Probleme der Bundesrepublik und ihre Ursachen. Konstanz: Hartung-Gorre Verlag.
Einführung in die VWL

**Korten, David C. 2001. When Corporations Rule the World. West Hartford: Kumarian Press.
bestes populärwissenschaftliches Buch in der USA

Lisbon, The Group of. 1995b. The Limits of Competition. Cambridge, Massachusetts, London, England: The MIT Press.

**Lissabon, Die Gruppe von. 1995. Grenzen des Wettbewerbs: Die Globalisierung der Wirtschaft und die Zukunft der Menschheit. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.
gute und kritische Arbeit zum Thema

****Messner, Dirk (Ed.). 1998. Die Zukunf des Staates und der Politik: Möglichkeiten und Grenzen politischer Steuerung in der Weltgesellschaft. Bonn: Dietz.
sehr guter Überblick über die sozialwissenschaftliche Debatte in Deutschland zu Globalisierung

**Report, Worldwatch Institute (Ed.). 2001. Zur Lage der Welt 2001: Prognosen für das Überleben unseres Planeten. Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch Verlag.
sehr guter Bericht über die Zerstörung unserer Umwelt und teilweise zu Globalisierung

***Rodrik, Dani. 1997. Has Globalization Gone too far? Washington: Institute For International Economics.
sehr gute ökonometrische Analyse, dass Globalisierung negative Effekte hat

*Scharpf, Fritz W. 1996. Regierung in Europa: Effektiv und demokratisch? Frankfurt/ New York: Campus.

**Scharpf, Fritz W. 1997. “Globalisierung als Beschränkung der Handlungsmöglichkeiten nationalstaatlicher Politik.” Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung Diskussion Paper 97.
public-choice Analyse zu Globalisierung

*****Scholte, Jan Aart. 2000. Globalization: A Critical Introduction. New York: St. Martin's Press.
beste Einführung auf wissenschaftichem Niveau zum Thema Globalisierung - ein Muss für jeden Globalisierungsinteressierten

****Sen, Amartya Kumar. 2000. Development as freedom. New York: Knopf.
beste normative Arbeit, was Entwicklung, Freiheit und Gerechtigkeit bedeutet